Interview mit Andi Böcherer: "Ich habe etwas riskiert und es hat sich ausgezahlt"  Bewährte sich im Konzert der ganz großen Namen: Andi Böcherer
Andi Böcherer gehörte zu den Überraschungen beim Ironman Germany in Frankfurt. Als erster aus dem Wasser, als erster vom Rad, ein Marathon unter 3 Stunden und das Hawaii-Ticket: Ein Interview mit einem überglücklichen Triathlon-Profi. Von Arne Dyck Herzlichen Glückwunsch zum 7. Platz beim Ironman Germany! Du kamst als erster aus dem Wasser. War das Dein Ziel? Ja, das war es. Ich wusste, dass ich mit den schnellsten Schwimmern mithalten kann, das habe ich bei vergangenen Rennen bereits bewiesen. Da liegt es nahe, sich das kleine Lorbeer des tagesschnellsten Schwimmers zu holen, nicht zuletzt für meine Sponsoren. Also habe ich speziell für einen Schlusssprint trainiert und das im Rennen durchgezogen. Deine Schimmzeit von 43:55 Minuten ist sehr beeindruckend. War die Schwimmstrecke etwas zu kurz? Die Zeiten der ersten Runde sehen mit 1:03 Minuten pro 100 Meter etwas zu schnell aus, das ist wahr. Durch das grenzwertig warme Wasser hat sich das Tempo gar nicht so hoch angefühlt. Wir waren eher am "Cruisen", wie es mir schein. Wie war Dein Start auf dem Rad? Du bist zusammen mit großen Namen wie Chris McCormack, Faris Al-Sultan und Eneko Llanos auf die Radstrecke. Wie hat sich das für Dich angefühlt? Ich habe im Vorfeld schon damit gerechnet, dass es zu Beginn der Radstrecke so aussehen könnte. Ich dachte mir bei Kilometer 20: "Wenn ich 20 Kilometer mitfahren kann, geht das auch 40 Kilometer". Dort angekommen sagte ich mir, ok, jetzt schaffst Du es auch eine Runde. Und nach einer Runde: Wenn Du eine schaffst, dann auch zwei. Ich habe mich also von Abschnitt zu Abschnitt motiviert. Mir ist an einem Gleisübergang auf den ersten Kilometern gleich das Display meines Leistungsmessers abgebrochen. Ich hatte also weder Watt noch Puls oder eine Uhr, mit der ich meine Nahrungsaufnahme steuern wollte. Ich habe also auf der ersten Radstunde gleich 3 Powerbars gefuttert – so viel wie halt reinging! Das Tempo war hoch, doch ich konnte mir das durchaus zumuten, ohne mir damit die Schlinge um den Hals zu legen. Lediglich als die Lücke zum zwischenzeitlich enteilten Al-Sultan wieder auf 2 Minuten geschrumpft war, zog McCormack das Tempo unserer Gruppe enorm an, um ihn zu stellen. Das war hart, doch ich blieb dran. Warum ist Faris am Hünerberg von Euch weggefahren? Weil er gewinnen wollte. Vielleicht war sein Angriff etwas zu ungestüm, zumindest schien es, als würde er seiner eigenen Attacke zum Opfer fallen. Ich habe aber noch nicht mit ihm darüber gesprochen. Du hast das Rennen auf dem Rad zuletzt angeführt? Wie kam es dazu? Die ersten 160 Kilometer habe ich nicht geführt. In einer Gruppe mit McCormack, Al-Sultan und Eneko Llanos bin ich nicht in der Rolle, das Tempo zu machen. Erst als Faris abgehängt war, war es in meinem Interesse, das Tempo hoch zu halten. Also ging ich an die Spitze und fuhr hart zurück in die Stadt und in die zweite Wechselzone. Abgesehen von diesen taktischen Dingen ist es für einen Sportler einfach großartig, den Heartbreak Hill als erster hinaufzustürmen oder den Bikepart als Erster abzuschließen. Wie waren Deine Beine eingangs des Marathons? Hast Du mit einem Podestplatz geliebäugelt? Nein auf keinen Fall. Mein Traumziel war es, unter drei Stunden zu laufen. Ich lief mein Tempo, ohne allzu sehr auf die Platzierung zu schielen. Mir war klar, dass die besten Läufer Marathonzeiten von 2:45 Stunden hinlegen würden. Für die Hawaii-Quali gab ich mir eine Chance von 50:50. Jetzt habe ich eine Marathonzeit von 2:59 Stunden und das Ticket für Kona. Ich hatte einen super Tag. Ich bin einfach nur happy. Ich brauche ein paar Wochen, um das alles zu begreifen. Die Fragen stellte Arne Dyck |